Kirche

Die St. Galluskirche, die Namensgeberin der Konzertreihe, gehört nicht nur hinsichtlich ihrer Architektur und Innenausstattung zu den schönsten Barockkirchen des Main-Taunus-Kreises, sondern ihre Akustik wird auch für Konzerte als hervorragend eingestuft. Der leichte Nachhall – bei zu schnell gesprochenen Darbietungen ein Verständlichkeitsproblem – erweist sich dabei günstig. Die Konzerte erfahren eine festliche Überhöhung, was jedes Mal zu einem besonderen Erlebnis beiträgt. Wer erstmals in der Galluskirche musiziert, zeigt sich begeistert vom Klang.

 

Die jetzige Galluskirche ist nach Urkunden mindestens die dritte Kirche in der Flörsheimer Stadtmitte – die erste Kirche wird es schon lange vor der Ersterwähnung 1184 gegeben haben. Der heutige Bau wurde 1766 um die viel zu klein gewordene Vorgängerin aus dem Jahre 1666 herumgebaut. Grundsteinlegung war am 28. Mai 1766. Nach zwei Jahren Bauzeit wurde am 25. Januar 1768 unter großer Beteiligung der Handwerker und der Bevölkerung Richtfest gefeiert. Die Weihe der Kirche erfolgte am 9. Juli 1780 durch den Mainzer Weihbischof Augustin Franz von Strauss. Die üblichen Maße einer Dorfkirche übertrifft die St. Galluskirche um einiges – in der Bauzeit eine imponierende Leistung.

 

Der Turm der Kirche, der neben dem gesamten Bauwerk zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden ist, wurde damals nicht neu gebaut, sondern der bereits 1704 bis 1706 errichtete Turm wurde in den Neubau einbezogen. Erst im Jahr 1906 erhielt er allerdings seine charakteristischen Schallgauben und wurde um sechs Meter aufgestockt, um die neuen Glocken unterbringen zu können. Insgesamt ist der Turm 46,5 Meter hoch, davon sind 24 Meter Mauerwerk. Vom Dach bis zur Spitze sind es 18,5 Meter, plus Kugel und Kreuz, vier Meter.

 

Der Innenraum der Kirche selbst hat eine Länge von 33,5 Metern, eine Breite von 13,6 Metern und eine Höhe von 13,1 Metern und überrascht daher durch seine Dimension. Der Saal ist groß und hell mit halbrundem Chor und geht mittels einer Kehle in die Flachdecke über. Die Qualität der Ausstattung ist ungewöhnlich: Blickfang sind eindeutig die drei Altäre. Der Hochaltar, ein Meisterwerk barocker Handwerkskunst, wurde in den Werkstätten des Mainzer Kartäuserklosters hergestellt. Der Flörsheimer Maler Christian Georg Schütz (1718-1791) schuf 1769 das erste große Altarbild für den Hochaltar. Dieses wurde aber leider bei einem Altarbrand 1895 vernichtet. Das heutige Altarbild von 1896 stammt von dem Frankfurter Maler Ludwig Windschmitt. Es stellt die Abendmahlsszene dar – bildlicher Ausdruck dessen, was in der Kirche geschieht: Die Feier der Eucharistie.

 

Altarraum, Foto: Alexandra DehneDas Antependiumbild des Hochaltars, das eine Szene aus der Pestzeit darstellt, stammt vom Maler Dodel, der 1840 in Bad Weilbach zur Kur weilte. Die beiden Seitenaltäre, im gleichen Stil wie der Hochaltar, doch um einiges kleiner – sie reichen in ihrer Gesamthöhe etwa bis zur Gebälkzone des Hochaltars – wurden 1766 von den Gebrüdern Erbs aus Aschaffenburg angefertigt. Die Bilder der Seitenaltäre sind noch heute Originalgemälde von Christian Georg Schütz. Links wird die Kreuzigungsszene und rechts die Himmelfahrt Mariens gezeigt. Auch die vollplastische Pietà an der Nordwand aus dem Jahr 1777 stammt von den Gebrüdern Erb.

 

Den Hochaltar schmücken vier überlebensgroße Heiligenfiguren: Die beiden äußeren stellen die „Pestheiligen“ Sebastian und Rochus dar, die innen stehenden Gallus und Bruno. Wenn die Künstler neben der Figur des Heiligen Gallus einen Bären mit einem Stein im Maul und einen Balken in der Tatze darstellen, wollen sie vielleicht an die Legende erinnern, nach der der Bär dem Heiligen beim Bau seiner Zelle geholfen hat, oder aber auf Eigenschaften des Heiligen hinweisen: Naturverbundenheit, Freundlichkeit, Güte. Der Heilige Bruno ist Gründer des Kartäuserordens. Über die Platzierung seiner Statue kam es zwischen den Kartäusern und der Gemeinde zu Differenzen. Die Kartäuser wünschten den Heiligen Bruno auf die Evangelienseite zu stellen. Da die Gemeinde durchsetzte, dass diese Stelle dem Heiligen Gallus als Kirchenpatron vorbehalten blieb, wurde von den Kartäusern kein Chorgestühl angefertigt. Die „Pestheiligen“ Sebastian und Rochus erinnern an die schwere Pest des Jahres 1666 in Flörsheim, bei der etwa ein Drittel der Bevölkerung des Ortes ums Leben kam. Zum Dank für die Errettung aus dieser Not zieht seit dieser Zeit jedes Jahr am „Verlobten Tag“ nach einem festlichen Gottesdienst eine große Dank- und Bittprozession durch die Straßen der Altstadt. Über dem Hochaltar thront – in Holz geschnitzt – Gott Vater, die Weltkugel in der Hand, darüber inmitten eines Strahlenkranzes der Heilige Geist in Gestalt einer Taube.

 

Die drei in Stuckrahmen gefassten Deckengemälde von 1768 sind Werke des Malers Joseph Heydeloff.  Sie wurden bei einer späteren Restaurierung mit heute vergilbtem, transparentem Firnis konserviert, was sie etwas düster erscheinen lässt. Versuche, diese Gemälde bei der Restaurierung des Innenraums Ende der achtziger Jahre wieder freizulegen, wurden wegen des schlechten Erhaltungszustandes aufgegeben. Statt dessen wurden spätere, qualitätsvolle Übermalungen, die offenbar die ursprüngliche Bildkonzeption beibehalten haben, instand gesetzt. Das Deckengemälde über dem Kirchenschiff erzählt die Legende, nach der der Heilige Gallus Freideburga, die Tochter eines allemanischen Herzogs und Verlobte des Königssohnes Siegebert, geheilt hat. Das Gemälde über der Orgel zeigt den Heiligen Martin, den Patron des Bistums Mainz, zu dem Flörsheim bis zur Gründung des Bistums Limburg im Jahr 1827 gehörte. Das Deckengemälde über dem Chor stellt die Aufnahme Mariens in den Himmel dar. Die Apostelmedaillons in den Rundungen zwischen Decke und Wand und die Stuckteile um die Fensteröffnungen wurden erst 1913 hinzugefügt. Im Zuge der Liturgiereform des II. Vatikanischen Konzils und der damit verbundenen Veränderungen der Messfeier wurde der Chorraum der Kirche 1974 umgestaltet. Zelebrationsaltar und Ambo (Lesepult) wurden nach Entwürfen von Josef Jost in Alu-Guss ausgeführt.

 

Bemerkenswert sind ferner die vorderen, in Wandnischen eingelassenen Beichtstühle. Auffallend in der Gesamtausstattung ist die große geschwungene Doppelempore auf der Westseite des Schiffes. In der Mitte der oberen Empore steht, mit einem Rückpositiv in der Emporenbrüstung, die wertvolle Orgel. Das große Deckengemälde über der Orgel wird zu einem Teil durch die Orgel verdeckt, was auf den nachträglichen Einbau des heutigen Instruments verweist. Kanzel, Kirchenbänke und Kommunionbank sind künstlerisch und handwerklich wertvolle Arbeiten Flörsheimer Schreiner.

 

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der Kath. Pfarrgemeinden St. Gallus und St. Josef: www.pfarramt-floersheim.de